Warum eigentlich „Goldener Spatz“?

Als Kind war es für mich etwas ganz besonders, wenn meine Klasse zum „Goldenen Spatz“ fahren durfte. Zugegeben, das ist schon ein paar Jahre her, aber auch heute noch erinnere ich mich daran, wie aufgeregt wir waren, als es von Hermsdorf nach Gera ins Kino ging. Seitdem ich in Erfurt lebe, begegne ich diesem kleinen, dicken, gelben Spatz immer wieder und freue mich, dass auch meine Kinder dieses Festival erleben können.

Seit vielen Jahren berichtet „kinder in erfurt“ über das Deutsche Kinder Medien Festival GOLDENER SPATZ. Dieses Jahr habe ich es endlich geschafft, mich im Haus Dacheröden mit Katja Imhof, der Pressesprecherin des Festivals, zu treffen und all meine Fragen loszuwerden.

Frau Imhof, woher kommt eigentlich der Name „Goldener Spatz“?

Na ja, der Spatz ist laut und frech. Er gibt keine Ruhe und ist immer zu hören. Und genau das macht unser Festival aus. Unsere Kinder als Hauptakteure des Festivals haben eine Meinung und diese vertreten sie auf sympathische Art lautstark.

… und warum das Gold?

Ein Filmfestival hat natürlich immer etwas Glamouröses und Schillerndes, deshalb ist unser Spatz auch golden.

 

Wann fand das Festival das erste Mal statt?

1979 hat sich der Goldene Spatz als Kinderfilm- und Fernsehfesitval der DDR gegründet. Damals war es das größte Festival seiner Art in der DDR und schon damals wurden die Kinder busseweise aus Rostock nach Gera gebracht.

Wissen Sie, warum sich das Festival gegründet hat?

Das lässt sich heute nur noch vermuten, aber wahrscheinlich aus ähnlichen Gründen, aus denen sich auch heute Initiativen und Festivals gründen. Zu DDR-Zeiten hatte der Kinderfilm eine besondere Bedeutung. Es gab viele gute Kinderfilme und denen wollte man eine Plattform bieten, um sie mit Preisen zu würdigen. Mit Sicherheit können wir jedoch sagen, dass von Anfang an Kinder die Hauptrolle bei diesem Festival gespielt haben. Auch damals gab es bereits eine Kinderjury.

Besteht das Festival seit 1997 durchgehend?

Ja, seit 39 Jahren gibt es das Festival. Der „Goldene Spatz“ hatte mal ein Problem zur Wendezeit. Damals wusste man nicht, wo man das Festival „andocken“ sollte. Nach vielen Bemühungen hat man sich für die Gründung einer Stiftung entschieden. Später hat man sich zudem entschieden, Erfurt als zusätzlichen Austragungsort anzubieten. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen gingen die Geburtenraten zurück und die brachten eben auch eine Stagnation für die Besucherzahlen des Festivals mit sich. Zum anderen bietet die Landeshauptstadt Erfurt mit ihrer Nähe zur Staatskanzlei und auf Grund der logistischen Bedingungen wie Flughafen, Bahnhof sowie Autobahn optimale Vorrausetzungen für ein solches Festival.

Das heißt, das Festival findet in Gera und in Erfurt statt?

Genau, die Eröffnung findet in Gera statt und anschließend ziehen wir alle nach Erfurt um. In beiden Städten finden jeweils die Filmvorführungen und die Wettbewerbsbeiträge statt. Lediglich das Rahmenprogramm ist unterschiedlich. In Gera liegt der Fokus eher im Bereich der Medienpädagogik, dass heißt hier bieten wir viele Angebote für Familien, Lehrer und Schulklassen. In Erfurt liegt der Schwerpunkt eher auf der Fachbranche, was bedeutet, dass deutschlandweit Regisseure, Autoren und Fachleute anreisen, um die Fachveranstaltungen zu besuchen.

Kommen wir mal zum dem Wichtigsten – den Kindern? Nach welchen Kriterien wird die Kinderjury ausgewählt?

Eines mal vorweg. Für uns sind die Kinder die wichtigsten Teilnehmer des Festivals.

Jedes Jahr beginnt im Dezember und Januar die deutschlandweite Bewerbung für die Kinderjury. In der Regel eine Woche vor Bewerbungsschluss bekommen wir dann säckeweise Post, also zwischen 800 bis 1.300 Bewerbungen.

Neben einem Fragebogen müssen die Kinder eine eigene Filmkritik schreiben. Diese Kritik ist für uns am aussagekräftigen, denn uns es wichtig zu erfahren, wie Kinder Filme beurteilen und bewerten. Unser geschultes Auge erkennt dabei sehr schnell, ob es sich bei den geschriebenen Zeilen, um den Duktus eines Kindes handelt, eine abgeschriebene Filmkritik vorliegt oder ob Eltern mitgeholfen haben, diese Kritik zu formulieren. Die Kinder bewerben sich bei uns ohne Foto, weil wir umgehen wollen, dass wir Castingfotos oder -videos erhalten. Damit zeigen wir den Kindern, dass uns ihre Meinung wichtig ist und wir eine kritische Auseinandersetzung während des Festivals wünschen und es nicht um Äußerlichkeiten geht.

Wie viele Kinder arbeiten in der Jury mit?

Insgesamt besteht die Jury aus 26 Kindern im Alter zwischen 9 und 13 Jahren. Aus jedem Bundesland schafft es nur ein Kind in die Jury mit Ausnahme von Thüringen, hier gibt es ein Jurykind sowie ein Festivalkind aus Gera und Erfurt. Jurykinder aus den angrenzenden deutschsprachigen Ländern also aus der Schweiz, Luxemburg, Österreich, Südtirol, Lichtenstein sowie der deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, machen die Jury komplett. Diese 26 Kinder vergeben die Preise in der Kategorie Kino und TV. Hinzu kommen noch fünf weitere Kinder für die Webjury.

Wie kommen die Kinder an und wo sind sie untergebracht?

Die Kinder kommen immer einen Tag vor Festivalbeginn mit dem Zug an. Dieses Jahr kommen alle 31 Kinder zwischen 15.50 Uhr und 16.00 am Bahnhof in Gera an, eine organisatorische Meisterleistung. Untergebracht werden die Kinder in Hotels, jeweils in Zwei –oder Dreibettzimmern.

Wie muss ich mir die Arbeit der Kinderjury vorstellen?

In fünf Kategorien sind 38 Filme und Fernsehprogramme anzuschauen, das heißt pro Kategorie handelt es sich um sechs bis neun Beiträge. Im Ganzen müssen die Kinder 18 Stunden Programm sichten und bewerten. Die Sichtung der Beiträge dauert von Sonntag bis Mittwoch. Mittwochnachmittag gehen die Kinder dann in die Preisträgerfindung. Nachdem sich die Kinder in einem gemeinsamen Prozess auf die Preisträger geeinigt haben, müssen sie anschließend die Laudatio verfassen. Freitagvormittag finden dann die Proben für die Preisverleihung am Nachmittag statt. Zur Preisverleihung selbst sind die Kinder selbstverständlich die Hauptakteure. Sie halten die Laudationes in den jeweiligen Kategorien und übergeben die Preise den Preisträgern.

 

Die Kinder müssen selbstständig die Preisträger ermitteln. Haben sie dabei vorgegebene Kriterien oder können sie völlig frei entscheiden?

Bei uns ist es so, dass die Kinder völlig autark ihre Entscheidungen treffen und vortragen dürfen. In ihrer Arbeit müssen sie lernen zu argumentieren und sich somit gegenseitig zu überzeugen. Uns ist es ganz wichtig, dass das alles ohne den Einfluss von Erwachsenen vonstatten geht. Der Findungsprozess während der Juryarbeit wird jedoch durch Fachbetreuer begleitet. Hier wird den Kindern geholfen sich zu strukturieren und Argumente zu finden. Die Fachbetreuer nehmen allerdings keinen Einfluss auf den Findungsprozess. Übrigens: Dieses Jahr haben wird das erste Mal einen Jurybetreuer, der selbst einmal Jurykind war.

Nach welchen Kriterien bewerten Kinder eigentlich die Filme?

Kinder sind sehr kritische Zuschauer. Oft geht es bei ihnen tatsächlich um Hopp oder Top. Kinder beurteilen zunächst wie der Film bei ihnen ankommt, also ob er sie berührt hat, sie sich mitgenommen gefühlt haben und ob sie sich damit identifizieren können. Es geht bei Kindern aber immer auch um die Umsetzung des Stoffes. Dabei ist es ihnen wichtig, ob die Szenen glaubhaft und authentisch dargestellt werden. Wir hatten in der Vergangenheit oft Kinder, die Anschlussfehler im Film erkannt haben. Das ist sehr interessant, weil uns diese Fehler oftmals nicht auffallen. Kinder erkennen sofort, wenn etwas nicht stimmt, egal ob im Text oder im Bild. Ja, Kinder sind Experten.

Können sich Kinder mehrmals beim Festival bewerben?

Oft bewerben sich Kinder mehrmals, gerade die Jurykinder sind nach der Festivalwoche so stark beeindruckt, dass sie gerne ein weiteres Mal dabei sein wollen. Da wir jährlich aber so viele Bewerbungen erhalten und jedem Kind die Chance geben wollen daran teilzunehmen, ist die Teilnahme am Festival nur ein einziges Mal möglich.

Was wünschen sie sich für das Festival?

Wir wünschen uns viele Besucher und das alle, die uns besuchen, ein schönes Filmerlebnis haben.

Wichtige Infos

  • Zeitraum: 10. bis 16. Juni 2018
  • Karten könnt ihr hier bestellen
  • Infos zum Familienprogramm gibt es hier
  • Das komplette Festivalprorgamm könnt ihr hier durchstöbern

Liebe Grüße in den Tag hinein,
Doreen

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